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„PEKKA – Inside the Mind of a School Shooter“

„Humanity is overrated“ – eine von vielen hasserfüllten Botschaften, die der 18-jährige Pekka im Internet veröffentlicht und die keiner ernst nimmt. Einmal filmt er einfach kommentarlos seine Schule, wie einen Tatort. Dann sieht man ihn mit einem Revolver auf einen Apfel schießen. Am Tag darauf tötet er mehrere seiner Mitschüler, die Schuldirektorin und sich selbst.

Pekka – Inside the Mind of a School Shooter“ rekonstruiert den Amoklauf im finnischen Jokela, einem beschaulichen und familienfreundlichen Vorort von Helsinki im Jahr 2007. Dort wächst wohlbehütet der kleine Pekka-Eric zusammen mit seinem Bruder auf. Die fröhlichen Familienfotos geben noch keinen Hinweis auf das Massaker am 7. November 2007.

Doch schon damals war Pekka anders als die anderen, er hatte kaum Freunde und kein Interesse an sozialen Kontakten. Interviews mit Überlebenden der Schießerei bestätigen dies, egal ob Lehrer oder Schüler. Er wurde ausgegrenzt, weil er sich anders kleidete, seine Familie kein Auto besaß und auch aufgrund seiner außergewöhnlichen politischen Neigungen. Umso älter Pekka wurde, umso mehr wurde er ausgeschlossen und letztendlich auch gemobbt, bis er gar keine Freunde mehr hatte. Bei den Befragungen der Opfer im Film hat allerdings so gut wie keiner etwas gehört oder gewusst, eigenartig, wo doch beim Interview mit den Eltern deutlich von Mobbing die Rede ist. Später wird bei ihm auch noch eine psychische Krankheit diagnostiziert, die ihm den sozialen Umgang mit anderen erschwerte. Obwohl die Krankheit scheinbar nur sehr schwach ausgeprägt war, kam es zu der Tat.

Irgendwann fing Pekka-Eric an, durch selbst gedrehte Videos Anerkennung im Internet zu suchen, die auf den bevorstehenden Amoklauf hinweisen: Er kauft sich eine Waffe, einige in der Schule wissen davon, doch niemand nimmt ihn ernst. Dass er dann auch noch von seiner Internetliebe zurückgewiesen wird, bringt das Fass zum Überlaufen. Wenig später erschießt er im Schulzentrum von Jokela mehrere Menschen. Fast alle verdrängen die schreckliche Erinnerung, keine Zeit zum Trauern, keine Gedenkstätte für die Opfer, die Schule wird umdekoriert und das Leben geht weiter wie zuvor. Lediglich die Waffengesetze sind nun strenger. Die Leidtragenden sind die Eltern und vor allem sein Bruder, der ihm wie aus dem Gesicht geschnitten ist.

Ein beeindruckender Dokumentarfilm, der einem (anders als die meisten) die Gefühlswelt des Täters näher bringt und auch verstehen lässt. Mit passend eingesetzten Interviews, Bildern und Texten unterstreicht der Regisseur Alexander Oey die jeweilige Lebenssituation von Pekka. Ein gelungener und eindrucksvoller Film über das Leben eines Amokläufers. Schaut ihn euch an!


Außerdem haben wir mit dem Regisseur Alexander Oey gesprochen:

Alexander Oey, 55

Alexander Oey

3 Adjektive, die Sie beschreiben: bescheiden, introvertiert, vorurteilsfrei

Interessen – neben der Arbeit: Musik, Politik und Soziologie

Was macht für Sie einen guten DOK-Film aus? Ein guter Dok-Film ist für mich, wenn er die Leute empfindlicher und engagierter für ihre Umgebung macht und Interesse an Politik weckt.

Welcher Film hat Sie zuletzt beeindruckt? Ein holländischer Dokumentarfilm, der beim Prix Europa in Berlin lief, in dem eine Familie begleitet wird, die im Holocaust zwei Kinder verloren hat.

Was ist Ihr Wunsch für die Festivaltage? Filme anschauen

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