Guten Abend, ihr Schönen!

Wir finden uns inmitten der Eröffnungsveranstaltung von DOK Leipzig im Schauspielhaus wieder, umgeben von einem Gewimmel von Menschen, die aufgeregt, angespannt und kreativ existieren. Mit einem Mikrofon wanken wir wie ein großes Luftballonmännchen, das vor Einkaufsläden steht und Passanten zum Einkaufen animieren soll, hin und her.

Unsere erste Station ist die Damentoilette, in der es dann auch zu ersten Annäherungen kommt. Ein Lächeln wird höflich vor dem Spiegel ausgetauscht, Komplimente werden verteilt, Interviewbekanntschaften geknüpft. Hier geht ein und aus, wer mehr oder weniger seriöse Geschäfte zu bewältigen hat. Erfolgreich danken wir ab und verlassen unsere Position als networkende Porzellandame under pressure.

Wir stehen erneut im Eingangsaal, doch etwas ist anders. Wie in einer Wasserrodelbahn haben wir die grüne Ampel verpasst. Wir sind ohne unsere DOK-Spotters-Crew im wilden Gewässer und gehen beinahe unter. Zum Glück tragen wir die DOK-Team-Pullis – die als weiße Warnwesten fungieren, mit denen man uns sofort erkennt. Da reißt uns ein Strom aus filmfiebrigen Menschen mit, die Treppe hinauf in den großen Festivalsaal. Hier treffen zahlreiche menschgewordene Wikipedia-Artikel aufeinander, alles, was Rang und Namen hat, findet sich zusammen.

© DOK Leipzig 2026, Susann Bargas Gomez

Eine Gruppe in glänzenden Anzugschuhen schlittert über das feine Parkett an uns vorbei, wie beim Eiskunstlauf. Die Menschen sprudeln vor Begeisterung über und wir werden ganz durstig bei diesem Anblick. Bisher sind wir nur Chemiker  – wir wollen Teil dieses Elements werden. Wir holen Stift und Papier heraus.

Und wir, die keine ausgebildeten Journalistinnen sind und außerhalb von Hollywood aufwuchsen, wagen das Unvorstellbare.

Gute Interviewfragen stellen: „Ähem.“ – „Hallo, was machen Sie hier?” – „Ich schaue mir einen Film an.“ – „Was haben Sie für Erwartungen?“ – „Ich hoffe, es wird spannend!“ – „Ich möchte genauso werden wie Sie. Was muss ich machen?“ – „Einfach machen.“

Wir sind dabei, uns richtig viel Wissen anzueignen. Doch das war erst die Ebbe, nun kommt die Flut. Wir sind besser vorbereitet und lernen aus unseren Fehlern.

Zweiter Versuch: „Guten Tag, äh, Abend. Mögen Sie Tauben, insbesondere goldene? Hätten Sie lieber eine Taube oder eine Latzhose zu Hause?“ Wir machen ein Filmquiz: „Von wem ist Tesafilm?“

Dritter Versuch: Wir setzen die Segel erneut und stechen in See. Nun ist es ein magisches Zusammenspiel. Wir treffen eine Person, mit der wir direkt auf einer Wellenlänge sind. „Hier trifft man alle Menschen der Welt. Hier sind Leute, die künstlich befruchtet wurden, und Leute, die den Urknall überlebt haben.“ Die Sonne explodiert vor unseren Augen.

Vierter Versuch: Ein Windstoß übernimmt den Kurs, wir treffen auf eine Frau. Sie liefert uns die letzte relevante Antwort vor unserem Einstieg in die absolute Erfolgskarriere. „You have to understand the game.“

Eine Glocke läutet, die Vorführung beginnt. Wir finden uns in einem großen Saal wieder, wie Fliegen in einem Spinnennetz.
Wir sitzen am Ort des Geschehens. Dieses Mal gibt es Sekt. Äh, nein, die Sektion, und zwar Positions – eine sehr schöne Idee von Ola Staszel, um Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen. Hinzu kommen Meisterklassen, nein, Moment – Kleistermassen.
Schnell wird klar: Das Festival hat so viel zu bieten. Wir werden definitiv FOMO bekommen.

 

Malou & Vanja

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