AudioInterview

Denen eine Stimme geben, die nicht gehört werden

“Ich bin eine Frau und ich hab gerne Sex, auch mit mir selbst”

Die sexuelle Befreiung der Frau. Dieses Anliegen verfolgten die Feministinnen des letzten Jahrhunderts. Damals erreichten sie vieles, was als undenkbar galt. Heutzutage denken daher viele Menschen, die Gleichberechtigung der Frau sei in dieser Hinsicht längst erreicht. Doch sie liegen falsch.

In „My Name Is Clitoris“ befragen die Regisseurinnen Daphné Leblond und Lisa Monet junge Frauen zu ihrer Sexualität. Bar jeder Scham und mit beeindruckender Offenheit erzählen die Protagonistinnen von ihrem Intimleben und legen damit Mechanismen der sexuellen Unterdrückung offen, die im Mainstream kaum Beachtung finden.

Wir haben die Besucherinnen vor der Weltpremiere gefragt, wieso sie sich für diesen Film entschieden haben und was sie davon erwarten:

Der Film zeigt auf, wie schwierig es oftmals für die Protagonistinnen war, über ihre Sexualität zu reden, wenn sie es gebraucht hätten. Nicht nur im öffentlichen Raum und im Gespräch mit Freundinnen gilt die weibliche Lust als Tabuthema. Auch in der Schule kommt die Aufklärung über den femininen Körper viel zu kurz und ist behaftet mit Scham. So wird in Lehrbüchern beispielsweise ausgelassen, dass auch Mädchen masturbieren können.

Eine Protagonistin berichtet, dass sie auf die Frage, wie Mädchen sexuelle Befriedigung erlangen könnten, von der Lehrerin nur den Rat bekam, sie solle doch dem Klatsch der älteren Schülerinnen zuhören und nicht sie fragen.

Doch warum wird weibliche Sexualität im öffentlichen Diskurs so wenig besprochen? Darüber sind sich die Kinobesucherinnen nicht einig…

Die Tabuisierung einer so wichtigen Thematik belastet viele der Frauen in “My Name is Clitoris”. So dachten sie zunächst, Masturbation sei etwas Beschämendes oder Sex diene nur der Befriedigung des Mannes. Sie hatten Sex, ohne vorher aufgeklärt worden zu sein.  Dadurch erfuhren sie traumatische Erlebnisse, die sie allerdings für normal hielten und über die sie vor Scham lange nicht sprechen konnten. 

Wir haben Zuschauerinnen gefragt, ob das gesellschaftliche Schweigen über weibliche Sexualität auch in ihrem Leben eine Rolle gespielt hat: 

“My Name Is Clitoris” zeigt, wie wichtig die Entstigmatisierung der weiblichen Lust auf dem Weg zur Selbstbestimmung und Selbstliebe für Frauen ist. Der französische Dokumentarfilm leistet dazu einen wichtigen Beitrag. 

Selbst 50 Jahre nach der Sexuellen Revolution ist der Film noch sehr relevant. Er schenkt Mädchen und Frauen Kraft und ist eine lehrreiche Lektion für Männer.

Nachdem wir den Film im Kino sahen, trafen wir die Regisseurinnen Lisa Billuart-Monet und Daphné Leblond in der Schaubühne zu einem Interview auf Französisch. Dort erzählten sie uns unter anderem von fragwürdigen Reaktionen der Männer und ihrer Botschaft, die sie vermitteln wollen.

DOK Spotters 2019
Interview My Name is Clitoris
DOK Spotters 2019 Interview My Name is Clitoris
  • Die DOK Spotters im Gespräch: My Name is Clitoris
  • Die DOK Spotters im Gespräch: My Name is Clitoris
  • Die DOK Spotters im Gespräch: My Name is Clitoris
  • Die DOK Spotters im Gespräch: My Name is Clitoris
  • Die DOK Spotters im Gespräch: My Name is Clitoris
  • Die DOK Spotters im Gespräch: My Name is Clitoris
  • Die DOK Spotters im Gespräch: My Name is Clitoris
  • Die DOK Spotters im Gespräch: My Name is Clitoris

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.