ArtikelFilmkritik

Between life & death

„When the Bull cried“ ist ein belgisch-bolivianischer Dokumentarfilm von Karen Vázquez Guadarrama und Bart Goossens.

Zwischen den riesigen bolivianischen Anden liegt ein winziges Dorf. Über ihm hängen schwere Wolken, unter ihm liegt ein eiskalter, türkisfarbener Bergsee. Die Bewohner verdienen ihr Geld mit dem Abbau von Silber und anderen Mineralien. Bei der gefährlichen Arbeit stürzen häufig Teile der Miene ein und begraben Arbeiter zwischen den niemals enden wollenden Steinen.

In dem winzigen Dorf findet jeder seinen eigenen Weg mit dem Verlust umzugehen: Alkohol, Koka-Blätter oder schon fast grotesk wirkender Aberglauben.

Ich fand den Film sehr gut. Er zeigt auf eine äußerst interessante Weise die Zerrissenheit der Dorfbewohner, die ständig in einem Balanceakt zwischen Leben und Tod schwanken.

Das ganze Dorf wirkt in dem Film irgendwie deprimiert, so als ob ein großer, schwarzer Schleier über den Bewohnern liegen würde. Einige Menschen scheinen damit ihren Frieden gemacht zu haben, während andere ihren Traum von einem Leben weit weg vom Bergbau nicht aufgeben wollen oder können. Der Film zeigt, mithilfe von wunderschönen Bildern, den Widerspruch zwischen der atemberaubenden Berglandschaft und ihren todtraurigen Bewohnern. Er verleiht uns einen Einblick in eine völlig andere Gesellschaft und Kultur, wie ich sie mir nie hätte vorstellen können.

Die Menschen sprechen trotz ihren teilweise qualvollen Erfahrungen offen über ihre Erlebnisse. Der Film zeigt subtil, dass der Konsum von Drogen und Aberglauben für die Einwohner des Dorfes ein plausibler Weg zu sein scheint, mit all dem Leid und dem Schmerz umzugehen. Und das, obwohl gerade diese Mittel zu einem Teufelskreis aus Tod, Drogen und Aggressionen führen.

Da ist aber auch eine immer neu aufflammende Hoffnung auf den einen großen Fund, der die Arbeiter befreit. Mithilfe von Opfergaben will man „Mutter Erde“ beruhigen, oder vielleicht auch einfach nur sich selbst, denn überall verschwimmen die Grenzen zwischen Glauben und religiösem Fanatismus.

Filmemacher Karen Vázquez Guadarrama und Bart Goossens

„When the Bull cried“ von Karen Vázquez Guadarrama und Bart Goossens beeindruckte mich nicht nur mit einer sehr gut gewählten Geschichte. Die Bilder sind atemberaubend und der Schnitt ist sehr angenehm gesetzt. Die Musik unterstreicht überzeugend die Geschichte und lässt alles noch ein bisschen authentischer, manchmal auch roher­, wirken.

 

Alles in allem ist „When the Bull cried“ ein Film, der sehr subtil und auf eine durchgehend ehrliche Weise, eine Geschichte erzählt.

Rezension von Emily Pfeiffer

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